Presse

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 23.09.2021:
Mutig das Projekt anders angehen

Zum Thema „Sanierung der Turmbergbahn“:

Keiner würde „das Gesicht verlieren“, im Gegenteil. Mut gehört dazu, ein vom Großteil der Bevölkerung ungewolltes Projekt jetzt noch zu stoppen. Unser Stadtoberhaupt würde höchste Anerkennung ernten, jetzt sofort zu handeln und die einfach zu realisierende Möglichkeit, das Projekt „Turmbergbahn“ unkompliziert, zeitnah und dazu noch extrem kostengünstig anders umzusetzen.
Nämlich so, wie es Gerda Karcher in ihrem Leserbrief vom 26. August vorschlägt. Die Buslinie 21 aus Grötzingen kommend und fahrend, nimmt bei einem Schlenker nach oben zur Talstation Fahrgäste nach unten mit beziehungsweise liefert andere von unten auf der Fahrt nach Grötzingen an der Talstation ab. Das Ganze im 20-Minuten-Takt, im bereits vorhandenen behinderten gerechten Bus, zum KVV-Preis! Die in die Jahre gekommene Turmbergbahn könnte für einen Bruchteil der Kosten behinderten<­>gerecht hergerichtet werden. Die veranschlagten utopischen Kosten der jetzigen Planung, die Generationen künftig zu tragen haben, stehen in keinem Verhältnis zu der hier vorgeschlagenen praktisch umsetzbaren Lösung. Was spricht gegen eine Testphase, zeitlich befristet und sogar als Anreiz kostenlos? Dabei würde sich genau zeigen, wie hoch der tatsächliche Bedarf ist.

Oft entsteht der Eindruck, wir (die Bevölkerung) sind nur gefragt, wenn es ums Wählen geht, nach der Wahl ist unsere Stimme nicht erwünscht, da sind wir Störfaktor.

Margarete Schüßler

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 22.09.2021:
Ein Déjà-vu

Zur Diskussion rund um die Turmbergbahn:

Es gibt eine nette Geschichte über den früheren amerikanischen Außenminister Henry Kissinger. Seine Adjutanten gaben ihm eine Vorlage zum Lesen und er fragte sie, ob das auch besser ginge. Nach einer intensiven Überarbeitung ging es zur Wiedervorlage und wieder fragte er: „Geht das nicht besser?“ Nächste Überarbeitung, nächste Frage, und diesmal antworteten sie ungehalten: „Nein, es geht nicht mehr besser!“ Daraufhin Außenminister Henry Kissinger: „Gut, dann lese ich das jetzt.“
In Karlsruhe scheint die Reihenfolge anders zu sein. Noch bevor der Eigenbetrieb der Verkehrs­betriebe Karlsruhe (VBK) überhaupt eine Planungsvorlage hat und diese zeigt, wird die Verlängerung der Turmbergbahn schon von den Bürgervertretern in Ort und Stadt durchgewunken. Die Verantwortung für einen solchen städtebaulichen Eingriff gibt man den Verkehrsbetrieben selbst. Eine eigenartige Vorgehensweise.

Das Ergebnis ist nun die beste (aller schlechten) Lösungen. Das reicht dann zum Bauen, ein Gestaltungsausschuss mit ausgewählten Teilnehmern kann ja noch Grünstreifen beschließen. Bezahlen wird das Land. Die Kosten und Termine glaubt man. War da nicht mal etwas mit der Kombilösung und einem immensen Schaden für die nächsten zehn Jahre? Man wird instabilen Untergrund finden, Pfeiler gründen, Tunnel für Wildtiere bauen, Wasserversorgungen und Hochspannungskabel umlegen müssen. Gründe für eine Vervielfachung der Kosten werden sich routiniert finden lassen. Kombilösung Déjà-vu, nur diesmal haben sogar alle Parteien zugestimmt.
Zur Klärung: Auch als Bewohner des betroffenen Viertels war ich nicht gegen die Verlängerung der Turmbergbahn, bis ich die ersten Details gesehen habe. Fragwürdige Zahlen, geschönte Bilder, eine mit Trasse haushohe Monster-Kirmesschaukel in einem gewachsenen Wohngebiet, vor­programmiertes Verkehrschaos an mehreren Stellen, Planungslücken. Geht das auch besser? Könnte eine Stadtplanung ein Gesamtkonzept ausarbeiten, vorlegen und die Verantwortung übernehmen?

An die Damen und Herren Bürgervertreter: Es gibt mittlerweile realistische 3D-Bilder des Bahnverlaufs. Könnten Sie sich mal anschauen, was Sie da anrichten? Und noch einmal: Geht das nicht besser? Wenn nicht: Aufhören.

Prof. Joachim Wietzke

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 20.09.2021:
Die Turmbergbahn verdient Denkmalschutz

Die Turmbergbahn in Durlach ist die älteste und einzige Standseilbahn, die in Deutschland noch in Betrieb ist. Sie wurde im Mai 1888 eingeweiht. Derzeit geht es um die Sanierung und Verlängerung bis zum Fuß des Turmbergs, um einen Anschluss an der Endhaltestelle der in die Stadt führenden Straßenbahnlinie zu schaffen. Für beide Maßnahmen hat das Land eine Förderung von 50 Prozent der derzeit auf 21 Millionen Euro veranschlagten Kosten zugesagt, diese aber an die Forderung nach einer barrierefreien Gestaltung geknüpft.

Die bisher bekannte Planung bevorzugt eine Verlängerung mit folgenden Konsequenzen: Führung der Gleisstrecke mit Standseil im unteren Bereich zwischen Zäunen von 1,80 Meter Höhe, um Vandalismus und Unfallgefahren vorzubeugen.

Die Waggons werden hinter diesen Zäunen weitgehend verschwinden. Um den Wartungsaufwand für die Zäune zu minimieren, kommen eigentlich nur Stahlbeton-Pallisaden infrage. Zudem Neigungstechnik für die Waggons, um sie gegenüber ihrem gesonderten Fahrgestell kontinuierlich auf wechselnde Neigungswinkel der Gleisstrecke ein zu nivellieren und Ersatz der historischen Waggons durch moderne neue Waggons. In die historische Struktur der Bahn wird also umfangreich und teils unnötig eingegriffen. Mit Herrn Anders auf dem Turmberg hat sich bereits ein Abnehmer für die alten Waggons gemeldet. Er will sie als Event-Location in sein Restaurant einbeziehen. Mir dreht es das Herz im Leib herum.

Karlsruhe ist noch eine relativ junge Stadt. Die Anzahl der geschützten Denkmäler hält sich also in Grenzen. Immerhin kann sie sich einer Rarität rühmen. Vor einigen Jahrzehnten wurden die ehemaligen Produktionshallen der IWKA AG als Industriedenkmal unter Schutz gestellt. Sie sind heute als ZKM bekannt, das unter den Top Ten der weltweiten Museen geführt wird. Hier hat der Denkmalschutz nicht nur historische Technik bewahrt, sondern zugleich die Basis für Modernes geschaffen.

Auch die Turmbergbahn verdient einen Schutz als technisches Denkmal für ihre Einzigartigkeit in der Bundesrepublik, aber auch für ihre harmonische Einfügung in die Natur und bisher auch in das Stadtbild. Da der politische Wille (Stadtrat Karlsruhe, Ortschaftsrat Durlach) auf einer nach meiner Meinung utopischen Annahme einer Steigerung des Fahrgastaufkommens auf das Doppelte des bisherigen, nämlich 200.000 Personen pro Jahr auf die Erweiterung ausgerichtet ist, müsste die Frage der Denkmalwürdigkeit vorrangig geprüft werden.

Die Stadt Karlsruhe, die sich gerne und vielleicht auch berechtigt als Teil einer Technologieregion sieht, sollte darauf bedacht sein, auch seine technischen Denkmäler vor dem Mammon (Fahrgastaufkommen) zu schützen, zumal man sich mit letzterer Annahme in den Bereich der Merkurbahn in Baden-Baden bewegt, einer Stadt mit anerkannt hohem Freizeitwert und ungleich höherem Touristenaufkommen. Die Turmbergbahn kann bei realistischer Betrachtung sieben Monate im Jahr auskömmlich betrieben werden, in den Wintermonaten bildet nur der Silvestertag eine Ausnahme. Die Turmbergbahn ist keine Straßenbahn. Die Kosten werden wie bei allen öffentlichen Bauvorhaben den geplanten Wert bedeutsam überschreiten.

Heiner Lichti

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 26.08.2021:
Bevölkerung wurde getäuscht

Zur Verlängerung der Turmbergbahn:

Bei OB Frank Mentrup war der Unmut spürbar. „Ich habe den Eindruck, dass man immer neue Gründe findet, um dieses Projekt in Zweifel zu ziehen, weil man an den deutlichen Mehrheitsverhältnissen nicht vorbeikommt“, kommentierte das Stadtoberhaupt am Dienstag die neuerliche Diskussion im Gemeinderat um Modernisierung und Verlängerung der Turmbergbahn (Zitat aus der Stadtzeitung vom 30. Juli).

Die zitierten Mehrheitsverhältnisse konnten lediglich nur so erreicht werden, weil dem Ortschafts- und dem Gemeinderat keine oder nur unzureichende Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden und diese, im Vertrauen auf die Stadtverwaltung und die Verkehrsbetriebe, dann „die Katze im Sack“ gekauft haben. Nun kommt der Hammer: Es gibt tatsächlich einen eklatanten Grund, das ganze Projekt platzen zu lassen – nämlich die Buslinie 21 des KVV. Mir kam zu Ohren, dass man mit einfachsten Mitteln mit dieser Buslinie einen Zubringerdienst zur Talstation der bisherigen Turmbergbahn ohne weiteres herstellen könnte, nur mit einer Fahrplanänderung… Ich bin der Sache nachgegangen, bin an Ort und Stelle geradelt, um mich selbst davon zu überzeugen: An der Haltestelle Turmberg in Durlach erwartete mich ein fast leerer, moderner Tiefeinstiegbus mit genügend Platz für Rollstühle und Rollatoren, der werktags im 20-Minuten-Takt über die B3 nach Grötzingen fährt. Man könnte Millionen in utopischer Höhe für den geplanten Bahn-Neubau einsparen, eine Unterführung müsste nicht gebaut werden, die alte Turmbergbahn könnte landeszuschussfähig behindertengerecht saniert werden. Der Bus der jetzigen Linie 21 könnte mit einem zusätzlichen Schlenker über die Bergbahnstraße zur Talstation der alten Turmbergbahn fahren. Bequemer geht’s wirklich nicht: In den Bus einsteigen, kein Fußmarsch zur B3, keine gefährliche Überquerung der B3, nur im Bus sitzen bleiben und an der umgebauten Talstation in die behindertengerecht sanierte alte Turmbergbahn umsteigen.

Auch die Anwohner der höher gelegenen Straßen hätten plötzlich wunderbare, nie geahnte Vorteile, wenn sie in Zukunft für ihre Einkäufe diesen Bus benützen und dafür ihre Autos vor der Tür stehen lassen könnten. Alle wären glücklich, was will man mehr? Die Stadtverwaltung und deren Gleichgesinnte bei dem KVV interessiert das alles aber überhaupt nicht, sie wollen uns für dumm verkaufen. Unsere wunderschöne, historische Turmbergbahn hatte nie eine Chance und sollte geopfert werden. Man hat totgeschwiegen, dass man mit einfachsten Mitteln die alte Turmbergbahn behindertengerecht an das Verkehrsnetz der KVV anschließen könnte.

In Durlach sollten die Busse der Linie 21 im Tal doch ruhig weiter ihre Runden drehen, während die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe sich feiern und sich von einer Schweizer Firma ein Denkmal für geschätzte 21 Millionen Euro setzen lassen wollen. Bei diesen Kosten wird es aber nicht bleiben. Wie heutzutage üblich bei solchen Projekten, werden sie sich mindestens verdoppeln, oder sogar verdreifachen. Das wären 40 bis 60 Millionen Gesamtkosten und für Karlsruhe circa 17 beziehungs­weise 25 Millionen, für die die Steuerzahler dann aufkommen müssten. Eine solch utopische Summe für eine Bahn auszugeben, die das Stadtbild von Durlach zerstört, gegen die schon über 5.600 Personen per Petition gestimmt haben, halte ich für höchst unverantwortlich, ja sogar für unmoralisch. Kaum auszudenken, wie viele bezahlbare Wohnungen, Kitas, digitale Einrichtungen für Schulen, die Karlsruhe so bitter nötig hat, man damit anschaffen könnte. Sich darüber Gedanken zu machen, das wäre die Aufgabe der Stadtverwaltung gewesen und nicht, sich vom Ortschafts- und vom Gemeinderat „deutliche Mehrheitsverhältnisse“ zu erschleichen.

Gerda Karcher

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 26.08.2021:
Mut zur Zukunft

Ebenfalls zum Thema Erneuerung der Turmbergbahn:

Autonome Straßenbahnen gibt es in Deutschland schon seit gut 15 Jahren, zum Beispiel in Nürnberg. Selbstfahrende Busse laufen in Rintheim. Nur für die Turmbergbahn braucht man einen Sicherheitszaun, der nicht nur ein Wohngebiet zerschneidet, sondern auch verkehrsmäßig ein Hindernis für alle Verkehrsteilnehmer darstellt.

Was hindert Karlsruhe daran, vielleicht erstmals eine zukunftsorientierte Technik für eine Bergbahn einzusetzen? Karlsruhe will beim autonomen Verkehr ja Vorreiter sein, siehe Testfeld autonomes Fahren Karlsruhe. Auch am KIT werden seit langem hierfür Technologien entwickelt und getestet.
Es dürfte ja wohl ein leichtes sein, eine schienengebundene Bergbahn, die mit gemächlicher Geschwindigkeit den Berg hoch- und runterfährt, autonom ohne Zaun fahren zu lassen. Oder sollen zukünftig für den autonomen Straßenverkehr auch Zäune gebaut werden? Karlsruhe beziehungs­weise die VBK scheint es an Fantasien zu mangeln und unter dem Motto „Zurück in die Zukunft“ zu handeln.

Klaus-Peter Schmidt

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 11.08.21:

Der Klimawandel wird insbesondere in Karlsruhe Spuren hinterlassen. Frischluftschneisen sind extrem wichtig. Es ist unverständlich, wieso an der einen Stelle begrünt wird und für die Verlängerung gleichzeitig eine Frischluftschneise ohne wirklichen Grund verschwindet, die für ein ganzes Viertel wichtig ist.

Lesen Sie hier den Artikel „Stadt kämpft gegen den Klimawandel“.

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 29.07.21:

Eine Lesermeinung zum Thema Barrierefreiheit: „Neue Barrieren werden errichtet“.

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 05.07.21:

Mit Leintüchern gegen die Verlängerung

Um 11.51 Uhr macht Iris Braig eine Ansage durch das Megaphon. „Wir bilden eine Kette links und rechts des Grünstreifens“, sagt sie. Knapp 300 Menschen sind an diesem Samstag in die Bergbahn­straße gekommen, die in Karlsruhe-Durlach die B3 mit der Talstation der Turmbergbahn verbindet. Die Kritiker einer Verlängerung der Turmbergbahn wollen die Ausmaße des geplanten Zaunverlaufs visualisieren. Um Punkt zwölf Uhr ist es soweit – die auf Abstand achtenden Demonstrantinnen und Demonstranten recken die Arme nach oben. Es ist ein „Protest mit Leintüchern“.

Iris Braig ist an diesem Samstag die Sprecherin der Kritiker und auch verantwortlich für die Aktion. Sie hat diese beim Ordnungsamt angemeldet und wohnt gleich um die Ecke. Etwa 25 Aktive zähle der Verein, sagt einer ihrer Mitstreiter. Dem erscheint es als besonders wichtig, dass auf Höhe der am oberen Ende der Bergbahnstraße kreuzenden Turmberg- und Kastellstraße die mit schwarzen Zaunelementen bemalten Tücher besonders markant sichtbar werden. Bis zu vier Meter hoch solle hier der Zaun werden – an dieser Stelle auch ein Gleisbrückenbauwerk entstehen. Martina Bartsch ist entsetzt: sie will es sich nicht vorstellen müssen, wie das wirkt. Wenn man künftig von der an der Talstation ankommenden Turmbergbahn runter schaue, werde man „auf eine Betonwüste gucken“. Hier etwas mutwillig kaputt zu machen, sei „ein Jammer“.

Es ist ein buntes Völkchen, das sich an der nur 200 Meter langen Bergbahnstraße versammelt – in deren Mitte seit mehr als 100 Jahren ein Grünstreifen wächst und gedeiht. Die KAL-Stadträte Lüppo Cramer und Michael Haug sind die einzigen, die sich im Hauptorgan der Stadt, dem Gemeinderat, dem Projekt entgegen stemmten. „Die stadtgestalterische Dimension wirkt entsetzlich“, sagt Haug. Gemeinderat und Durlacher Ortschaftsrat haben sich allerdings bereits für die Verlängerung der historischen Standseilbahn ausgesprochen. Und bei der Gestaltung des Neubaus gibt es noch Möglichkeiten zur Nachjustierung. Ein paar Meter weiter gibt Stadtplaner Gerd Gassmann einen lakonisch wirkenden Satz zum Besten: die Befürworter der Zerschneidung seien „Old-School-Nahverkehrs-Anhänger“, die glaubten „jeden Winkel mit der Schiene erreichen zu können“. Er ist nicht der einzige, der sich für die Beibehaltung der Grün-Schneise ausspricht – die etwa 250 Meter bis zur Endhaltestelle der Stadtbahn „Durlach Turmberg“ auf der anderen Seite der B 3 seien auch mit einem Pendelbus leicht zu überbrücken. Auch Altstadträtin Ute Artmann ist vor Ort, eine der besonders Aktiven des Vereins „Zukunft Turmbergbahn“, und echauffiert sich einmal mehr.

Der ehemalige SPD-Fraktionschef Heinrich Maul – ein Doyen der Sozialdemokraten in Karlsruhe, der in einer der oberhalb angrenzenden Straßen wohnt -, mokiert sich darüber, „dass das Projekt überhaupt noch nicht durchgeplant sei“. Wenn es denn gebaut würde, sagt er, müsste „mindestens die Zwischenstation“ auf Höhe der bisherigen Talstation entstehen. Aber, so ist deutlich rauszuhören, eigentlich wäre es ihm lieber, wenn die Pläne nicht umgesetzt würden – womöglich ist seine Fraktion froh darüber, dass er heute nicht mehr deren Vorsitz führt.

Auch zwei frühere Gartenbauamtsleiter der Stadt gesellen sich zu der Protestaktion. Der Landschafts­planer Robert Mürb und sein späterer Nach-Nachfolger Horst Schmidt, Amtsleiter von 1979 bis 2005. Schmidt fürchtet „die Zerstörung einer einzigartigen städtebaulichen Achse“. Die Bergbahnstraße sei „die einzige Stelle in Durlach, wo man die sich manifestierende Höhe des Turmbergs wahrnimmt“, glaubt Schmidt. „Wir brauchen diese Schneisen, die sind wichtig für das Kaltluftsystem.“

Fast ein wenig verloren wirken da ein paar Zaungäste, die sich südlich der Talstation versammelt haben: darunter Gerhard Stolz, der Sprecher von Pro Bahn. Auch Verena Anlauf und Christina Stoll von den Grünen wollen vor Ort mit ihrer Präsenz Stellung beziehen. Gegen halb eins hat sich der Protest bereits wieder verlaufen.

 

Filmbeitrag bei „Baden TV“ vom 05.07.21:

Debatte um den Ausbau der Turmbergbahn geht weiter

Es sind ca. 250 Meter vom Tal bis zur Stadtbahn in Durlach, mit der man dann hoch auf den Turmberg kommt…

Debatte um den Ausbau der Turmbergbahn geht weiter

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 11.06.21:

Tauziehen um Turmbergbahn

ke. Die Turmbergbahn, Deutschlands älteste noch fahrende Standseilbahn, hat viele Fans, nicht nur in Durlach, dem großen Stadtteil am Fuß des Karlsruher Hausbergs. Betrieben wird das nostalgische Bähnlein mit den gelbroten Zwillingswagen von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK).
Baujahr 1966 ist die kleine Bergbahn in heutiger Gestalt, technisch ist sie alles andere als auf dem neuesten Stand, von Barrierefreiheit kann nicht die Rede sein. Vor allem aber darf sie nur noch mit Ausnahmegenehmigung von der Talstation am Seil hangaufwärts zur Turmbergterrasse zockeln. Im Herbst 2022 erlischt die Betriebserlaubnis.

Um die neue Turmbergbahn allerdings gibt es viel Streit. Denn die Seilbahn soll bis zum Hangfuß verlängert werden. Vorgesehene Trasse ist der Mittelstreifen der Bergbahnstraße. Wer entscheidet über die Gestaltung, und wie läuft die Meinungsbildung? Die Durlacher SPD fordert nun maximalen Einfluss. Per Antrag wollen die örtlichen Sozialdemokraten erreichen, dass die Verkehrsbetriebe sämtliche Unterlagen für das anstehende Planfeststellungsverfahren und den Antrag selbst dem Ortschaftsrat Durlach zur Zustimmung vorlegen. Ob sie sich damit durchsetzen, erweist sich in der Sitzung des Ortschaftsrats am Mittwoch, 16. Juni. Sie ist öffentlich und findet unter pandemie­gerechten Bedingungen in der Karlsburg Durlach statt. Beginn ist um 17 Uhr.

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 10.06.21:

Ein Schildbürgerstreich

Zur Verlängerung der Durlacher Turmbergbahn:

Wirtschaftlich fährt eine Standseilbahn nur in geradem Streckenverlauf und mit möglichst wenigen und vor allem geringen Steigungsdifferenzen (Dellen), denn jede Kurve und jeder Knick hat enorme Energieverluste und massive Instandhaltungskosten zur Folge. Schon vor 100 Jahren war es deshalb völlig abwegig, einer Standseilbahn mehrere Kurven genau an der Stelle einer Kreuzung von sechs Straßen zuzumuten, wo zudem die Steigung von 36 auf zehn Prozent sinkt.
So gesehen ist die gesamte Planung einer „Verlängerung“ (und doppelten 20-Grad-Verschwenkung) der Turmbergbahn in die Bergbahnstraße ein veritabler Schildbürgerstreich – eine geradezu „historische“ Fehlplanung. Wie die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) an genau dieser Stelle auch noch eine „höhenfreie Querung“ mit „offener, platzähnlicher Gestaltung“ unterbringen wollen, bleibt bisher ihr Geheimnis. Wo doch die Nutzer der Bergbahnstraße eine gewisse Erfahrung mit einst hoch bejubelten Unterführungen haben… Was die VBK unter „einer offenen, platzähnlichen Gestaltung, die sich weit öffnet und durch ihren hellen Charakter freundlich und sicher wirkt“ verstehen, lässt sich nicht recht nachvollziehen. Im Entwurfsbild der VBK jedenfalls sieht das ziemlich schräg aus – wie reingequetscht: Haut sich der Mann den Schädel an, wenn er sich beim Unterqueren der Turmbergbahn nicht duckt? Ein Fahrradfahrer kann jedenfalls neben dem bezeichneten Fußgänger nicht queren – nicht umsonst sollte eine „Querung für Fußgänger und Radfahrer“ aber auf drei Meter Breite über freie Kopfhöhe verfügen.
Bitte besuchen Sie selbst die Stelle an der Turmbergstraße zwischen dem Gebäude der jetzigen Talstation und dem Haus Turmbergstraße 17 und versuchen Sie sich ein Bild davon zu machen, dass neben dem nötigen Straßenradius im Übergang von oberer Turmbergstraße zu Bergbahnstraße Nord (bisher sieben Meter) auch noch eine mindestens drei Meter breite Unterführung (bei Unterführungen für gemeinsame Nutzung von Fahrrad und Fußgängern vorgeschrieben) zwischen Bordsteinkante und verlängerter Turmbergbahnstraße „unterzubringen“ wäre. Der Alptraum jedes Planers. Klar ist es sinnvoll und notwendig, den individuellen Autoverkehr auf den Durlacher Turmberg deutlich zu reduzieren. Dafür wären aber kostenpflichtige Parkplätze, Parkverbote unmittelbar an der Turmbergterrasse und ab und zu ein Blitzer am Wochenende und abends erheblich zielführender (und bedeutend günstiger), natürlich nur dann, wenn entsprechend engmaschige Kontrollen und Sanktionen erfolgen. Warum diese 2019 beantragte Parkraumbewirtschaftung erst nach der Verlängerung der Durlacher Turmbergbahn zum Tragen kommen soll, ist nicht nachvollziehbar.

Armin Seideneder, Karlsruhe

 

Filmbeitrag bei „Baden TV“ vom 28.04.21:

Turmbergbahn: VBK-Pläne sorgen für Unmut

Es ist ein Projekt, das aktuell für reichlich Gesprächsstoff sorgt – Die Erneuerung der Karlsruher Turmbergbahn … Die von der VBK ins Auge gefassten Umsetzungspläne sorgen jetzt nicht nur bei der örtlichen Interessengemeinschaft „Zukunft Turmbergbahn?“für reichlich Widerspruch, auch in Teilen des Ortschaftsrats Durlach fühlt man sich übergangen:

Turmbergbahn: VBK-Pläne sorgen für Unmut

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 04.06.21:

Tonnen von Beton und Stahl

Zum Bericht „Der Zaun des Anstoßes ist 1,80 Meter hoch“ vom 5. Mai:

Die Überschrift des Artikels verharmlost das Projekt. Fundamentaler ist die verschwiegene Tatsache, dass die gesamte Bahntrasse – bisheriges Gleisbett und Verlängerung – erneuert werden muss: Tonnen von Beton und Stahl sollen zusätzlich in den Turmberg eingebracht werden. Womit wird die immer wieder zitierte 2022 auslaufende Betriebslizenz der jetzigen Bahn begründet? Ob man im benachbarten Weingut begeistert ist von vermehrten Besucherströmen durch die Rebanlagen? Durch den Bau der U-Strab mit den sehr nahe beieinander liegenden Auf- und Abgängen wurde das Karlsruher Stadtbild erheblich beeinträchtigt, wenn nicht zerstört. Ein ähnlicher Fehler soll nun ohne Not in Durlach wiederholt werden. Was die finanzielle Seite betrifft, darf das Ausschöpfen der Fördermittel nicht zum Lockvogel in eine noch tiefere Schuldenfalle werden. Das Projekt ist insgesamt überdimensioniert und nicht mehr zeitgemäß. Der Durlacher Hausberg ist kein Gipfel, der noch gezähmt werden muss, während man sich in den Alpen mühsam um eine Renaturierung des Geländes bemüht. Übrigens: Flausen verfliegen, wenn man den Turmberg über die Stäffelen ersteigt.

Maria Oesterle, Karlsruhe

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 27.05.21:

Die Ampel steht auf Dunkelrot

Zum Thema Finanzen und Turmbergbahn:

Bereits im September 2020 hatte die Wirtschafts- und Finanzbürgermeisterin negative Haushaltsergebnisse bis zum Jahr 2024 prognostiziert und gewarnt, dass ohne Gegenmaßnahmen die Pro-Kopf-Verschuldung in Karlsruhe von derzeit 869,80 Euro auf 3.864,70 Euro ansteigen könne. Die Entwicklung habe uns schneller eingeholt, die schwierigen Zeiten seien schneller als erwartet eingetreten. Der Stadtkämmerer warnte vor einem Schlittern in eine ungewisse Zukunft, ohne konkrete Gegenfinanzierung dürften auf jeden Fall keine neuen Ausgaben hinzukommen. Der Oberbürgermeister kommentierte, dass der Haushalt 2021 vor dem Hintergrund der durch Corona verstärkten weltwirtschaftlichen Rezession, die die Steuereinnahmen nach unten drücke, sowie drastischer Defizite bei Klinikum, Verkehrsgesellschaften, Messe- und Kongressgesellschaft und Bäderbetrieben erst-mals seit Jahren kein positives Gesamtergebnis vorsehe. Ohne die finanzielle Unterstützung von Bund und Land sei die Situation noch düsterer, die Stadt rechne inzwischen mit weitaus höheren Einnahmeausfällen, der OB erwarte vom Regierungspräsidium zwar eine Genehmigung des Haushaltes, jedoch mit zahlreichen Auflagen. Die Stadt habe keinerlei Raum für Wünsche und Versprechungen.

Dennoch soll jetzt ein ebenso teures wie überflüssiges Projekt in Form der Verlängerung der Turmbergbahn mit voraussichtlichen Kosten am Ende irgendwo um 25 Millionen Euro zuzüglich erhöhter Folgekosten realisiert werden. Neben den in Leserbriefen bereits angesprochenen negativen städtebaulichen und verkehrlichen Problemen bedürfen weitere Aspekte der Diskussion sowie der Erörterung und Entscheidung im Gemeinderat: Wie hoch ist eigentlich das jährliche Defizit der bestehenden Turmbergbahn? Mit welchem Defizit rechnen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe bei einer Verlängerung der Turmbergbahn, erhöhten Abschreibungen, höherem Wartungsaufwand und erweiterten Betriebszeiten?

Wie man inzwischen aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium erfährt, ist eine Bezuschussung seitens des Landes für die notwendige Sanierung der Turmbergbahn nicht von deren Verlängerung abhängig. Warum erfährt die Öffentlichkeit dies nicht von den Verkehrsbetrieben / der Stadt? Bislang hat man dort das Gegenteil behauptet, um die Verlängerung nach Milchmädchenart schönzurechnen und politisch durchzudrücken.

Ist das Thema Klimaerwärmung und CO2- Belastung noch immer nicht überall angekommen? Mit welchem Strom soll die Turmbergbahn denn betrieben werden? Solange nicht der ÖPNV in Karlsruhe und in dem angeschlossenen Schienennetz komplett mit Ökostrom betrieben wird, müssen weitere umweltschädliche und kostspielige Träumereien tabu bleiben. Die für die Verlängerung der Turmbergbahn erforderliche Betontrasse würde Unmengen an CO2 produzieren. Professor Stephan Lessenich vom Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München schreibt in seinem Buch „Neben uns die Sintflut“: „Im Grunde wissen wir es alle: Uns im Westen geht es gut, weil es den meisten Menschen anderswo schlecht geht. Wir lagern Armut und Ungerechtigkeit aus, im kleinen wie im großen Maßstab.“

Die Umwelt und das Geld sind zu schade dafür, aus der ältesten Standseilbahn Deutschlands eine Umwelt und Finanzen belastende Spaßbahn zu bauen, die der Bequemlichkeit Weniger dient, aber allen schadet.

Steffen Barth, Karlsruhe-Durlach

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 11.05.21:

Schönste Ansicht wird verschandelt

Ich bin keine Anwohnerin, aber Rollstuhlfahrerin. Lieber würde ich nie mehr auf den Turmberg kommen, als dass eine der schönsten Ansichten Karlsruhes so verschandelt wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass es schönere und preiswertere Lösungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt.

Uta Blömeke, Karlsruhe

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 11.05.21:

Platz mit besonderem Flair

Wir sind in Karlsruhe mit schönen Plätzen nicht allzu reich gesegnet. Ein anmutiger Platz, nach fünf Seiten hin durch wenig befahrene, baumbestandene Straßen geöffnet, mit einer Litfaßsäule, einer alten Villa, einer Ruhebank, von der aus man der Magnolien-Baumreihe nach unten folgend, nicht ganz, aber doch weitgehend abgeschirmt vom Verkehrslärm, auf das Geschehen der Bundesstraße blickt, ist akut gefährdet. Er befindet sich am Fuße der heutigen Talstation der Turmbergbahn und soll von der neuen Schneise durchschnitten und damit zerstört werden. Verträumt, ein wenig aus der Zeit gefallen, ist er ein Platz der Entschleunigung und Entspannung. Ganz so wie es eine Fahrt mit der alten, nun renovierungsbedürftigen Turmbergbahn war, ist und bitte so bleiben soll. Hier gibt es Schaffnerinnen oder Schaffner, die einen persönlich einlassen, ein Vergnügen für Kinder und alle, welche eine Auszeit brauchen.

Selbst das Warten auf die Bahn hat seine Qualitäten, man kann den Charme des kleinen, offenen Platzes genießen, dem Wind lauschen, der sich in den Blättern der Platanen verfängt, oder die Anzeigen auf der Litfaßsäule studieren. Das verlieren wir, wenn mit schnellem Durchsatz, abgeschirmt von einem mannshohen Zaun, für den die blühenden Bäume auf dem Grünstreifen fallen müssen, die Passagiere vollautomatisiert auf den Turmberg befördert werden. Von der vielbefahrenen B3 aus geht es sofort und schnellstmöglich nach oben, ohne dass man beim gemächlichen Anstieg zu Fuß oder – für gehbehinderte Menschen in einem kleinen Bus – Minute für Minute die Anspannung des Verkehrs hinter sich lassen kann. Der kleine, offene Platz ist in der Diskussion um die städtebaulich äußerst bedenkliche gestalterische Qualität des Eingriffs in die Stadtlandschaft bisher noch nicht zur Sprache gekommen. Er verleiht Durlach ein Stück städtische Qualität, wie wir sie von älteren französischen Plätzen kennen, schätzen und zu würdigen wissen.

Dr. Andrea Gnam, Karlsruhe

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 07.05.21:

Auch die frische Luft braucht freie Bahn

Wenn man so manche Diskussionsbeiträge zur Verlängerung der Turmbergbahn anschaut, ist man erstaunt, was da alles in das Projekt als Wunschvoraussetzung hinein gepackt wird. Aber es wird ganz sicher nicht von den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) geleistet. Das ganze Verkehrssystem des Turmberghanges soll neu geordnet und erheblich reduziert werden. Dabei geht es den VBK doch nur um die reine Baumaßnahme der Verlängerung der Turmbergbahn. Wie die VBK so etwas lösen, konnte man bei der Sanierung der Straßenbahngleise in der Durlacher Allee sehen. Die Stadt hatte die Begrünung der Gleistrasse festgelegt und die VBK haben trotzdem nach alter Väter Sitte den Schotterausbau kurzerhand unbeirrt schnell wieder durchgeführt. Deshalb davon auszugehen, dass die Verkehrsneuordnung und Reduzierung als Vorausleistung für die Baumaßnahme der Turmbergbahn-Verlängerung erfolgen könnte, ist reine Illusion und Wunschdenken, ebenso wie die Wunschvorstellungen zur Begrünung.

Zum 100-jährigen Bestehen der Bahn wurde ein Büchlein herausgegeben, in dem auch die Geschichte der Turmbergbahn erläutert wurde. Da ist zu lesen, dass schon oft, so zum Beispiel beim kompletten Umbau der Bahn 1965/66, über die Verlängerung der Turmbergbahn diskutiert wurde, aber immer wieder ist sie aus guten Gründen verworfen worden. Würde die Maßnahme realisiert, wäre für mich Durlach um ein wichtiges Stück ärmer. Solche grünen Freiräume gliedern den Siedlungskörper und bieten gerade hier einen wichtigen Ausblick in die Landschaft. Nirgends kann man in Durlach vom Straßenniveau der B 3 bis hinauf auf den Turmberg schauen, da sonst überall die Häuserfronten den Blick verwehren. Gern wirbt Karlsruhe und natürlich auch Durlach mit dem Attribut der Grünen Stadt, aber dann muss man das Grün auch erhalten. Auch die frische Luft braucht freie Bahnen, um in die bewohnten Straßen fließen zu können. Ich bin sicher, dass außer mir noch weitere Bürger sich darüber freuen, wenn die Bäume und Sträucher uns im Frühjahr mit ihren Blüten erfreuen.

Die Sanierung der Bahn ist auf jeden Fall erforderlich und ist auch früher schon durchgeführt worden, also nichts Neues. Nur gut, dass das Ministerium nun erklärt hat, dass auch die reine Sanierung gefördert wird. Damit ist das Drohargument vom Tisch, die Bahn müsste mit dem Ende der jetzigen Betriebserlaubnis stillgelegt werden. Bei der Sanierung sollte einiges zur Erhöhung der Attraktivität geschehen. Die Talstation wirkt heute abweisend. Sie muss von der Endstation der Straßenbahn aus durch die neue Architektur so attraktiv werden, dass sie als Bergbahn erkennbar wird und zur Fahrt einlädt. Vielleicht springen dabei auch ein paar Meter Verlängerung heraus. Die Fußwegverbindung sollte ebenfalls attraktiver werden. Die neue Mobilität könnte mit einem autonomen Bus eine weitere Verbindung herstellen.

Bis jetzt sind die Leute 100 Jahre lang zu Fuß zur Talstation gelaufen und das sollte heute, wo wir wieder aus Gründen der Gesundheit und der neuen Mobilität mehr kurze Strecken zu Fuß gehen sollen, auch noch möglich sein. Die gesparten Millionen lassen sich an anderer Stelle zur Ergänzung des Liniennetzes und zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes viel besser einsetzen.

Horst Schmidt, Karlsruhe – Ehemaliger Leiter des Gartenbauamtes

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 25.02.21:

Viel zu viel Technik-Diskurs

Zum Neubau der Turmbergbahn:
Ich bin in Karlsruhe geboren und lebe mit Unterbrechungen seit mehr als 50 Jahren in Durlach. Den Turmberg kenne ich in jeder Hinsicht wie meine Westentasche. Den erklimme ich übrigens immer per Rad oder zu Fuß. Aber das kann nicht jeder. Mit Kindern, Besuchern oder bewegungs­eingeschränkten Menschen genießt man durchaus das Fahren mit einer (historischen) Seilbahn. Die verantwortlichen Gremien Ortschaftsrat und Gemeinderat haben Ende vergangenen Jahres im demokratischen Prozess die Neuplanung auf den Weg gebracht. Wurden die richtigen Fragen gestellt? Mir nicht bekannt. Viel zu viel Technik-Diskussionen. Ich möchte wissen: Welchem Zweck dient das Projekt eigentlich? Einfach mehr Besucher auf den Turmberg bringen? Weil es vielleicht förderungswürdig ist? Was machen die vielen Menschen dann dort außer Selfies von der Terrasse? Ist die gesamte Infrastruktur für zusätzliche Touristen ausgelegt und geeignet? Gibt es dazu ein Konzept? Das Natur- und Artenschutz-Gutachten bezieht sich ja nur auf die Trasse. Diese Fragen sollten klar beantwortet sein. Bis dahin kann ich mich mit den nachvollziehbaren Bedenken der Anwohner in einer sehr bevorzugten Wohnlage nur bedingt solidarisieren. Das erinnert mich an Windräder. Ich wünsche mir eine mehrheitsfähige Lösung für unseren geliebten Hausberg.

Reinhard Veh, Karlsruhe-Durlach

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 10.02.21:

Grobes Missverhältnis

Zum Artikel „Turmbergbahn soll reizvoller werden“ vom 30. Januar:

Anlässlich des Informationsabends zur Verlängerung der Durlacher Turmbergbahn bemühten die Vertreter der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und ihre Fachexperten sich redlich, die zur Genüge vorhandenen Bedenken der Anwohnerschaft zu zerstreuen. Zum Beispiel sei keineswegs mit erhöhtem Lärm und ansteigender Verkehrsbelastung zu rechnen. Ohnehin bestünde der Baumbewuchs der zu opfernden Grünanlage aus „nicht erhaltenswerten Fremdgewächsen“.

Ist denn die Verlängerung nur eine Angelegenheit der Anwohner, an deren Häusern, zumindest in der Bergbahnstraße, künftig im Abstand von sechs Metern ein futuristisch anmutender und mit bis zu 70 Fahrgästen besetzter gläserner Wagen alle fünf Minuten vorbeiziehen soll? Vieles spricht dagegen. Der erwähnten Petition, die auf der gegnerischen Seite ins Leben gerufen wurde, haben sich in den vergangenen zwei Wochen keineswegs nur Anwohner, sondern bereits mehr als 1.000 Karlsruher­innen und Karlsruher angeschlossen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie das grobe Missverhältnis bemängeln, das zwischen den vorerst mit 21 Millionen Euro kalkulierten Kosten und dem zu erwartenden Nutzen besteht.

Auch beschränkt sich das Thema Landschaftsschutz, anders als der Vortragsabend vermuten ließ, nicht allein auf die Bahnanlage, sondern es stellt sich überhaupt erst nach dem Ausstieg, wenn der erhoffte Gästezuwachs den Turmberg übervölkern und überfordern wird. Dass es den Planern der VBK allein um die technische Realisierung ihres Projektes geht, mag recht und billig sein. Interessant zu wissen wäre aber, wer – neben den womöglich verschenkten Millionen von Euro – für die ökologischen und städtebaulichen Folgen die Verantwortung übernehmen wird.

Dr. Klaus Beyrer

 

Leserbrief in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 10.02.21:

Der Aspekt Stadtbild wurde vergessen

Zum Artikel „Turmbergbahn soll reizvoller werden“ vom 30. Januar:

Bei der digitalen Präsentation, bei der leider nur 250 Zuhörer zugelassen waren, wurden nahezu alle Aspekte, die es zu berücksichtigen galt, erwähnt. Von den Erschütterungen bei den Holz­balken­decken in den Häusern bis hin zur insektenfreundlichen Beleuchtung. Nur einen Aspekt hat man vergessen: Das Stadtbild und die Menschen dieser Stadt, die dann zukünftig mit dem baulichen Ergebnis leben müssen.

Die Bergbahnstraße, als Stadtraum sicher ungewöhnlich, möglicherweise sogar einmalig, ist geprägt durch den Grünstreifen in der Mitte mit ein paar Magnolien, mehr nicht – spröder Charme mit hohem Wiedererkennungswert. Jeder, der diese Straße einmal gesehen hat, wird sie nicht vergessen. Städte brauchen solche Orte. Unverwechselbar und Identität stiftend – entstanden aus der Idee, die Bahn irgendwann einmal zu verlängern, wenn dies technisch und ökonomisch machbar sein sollte. Unsere Väter und Großväter waren kluge Leute, denn sie wussten, warum sie dieses Projekt nie angegangen sind, technisch und ökonomisch zu keiner Zeit vertretbar.

Heute nun, mit Hilfe von Schweizer Bergbahn-Spezialisten, wäre dies technisch endlich machbar. Doch zu welchem Preis? Und ich meine nicht die zirka zehn Millionen Euro Fördermittel (= Steuergelder), die man beantragen will und auf deren Bewilligung man hofft, wenn man aus einer Freizeitbahn ein öffentliches Verkehrsmittel macht. Denn nun wird der Grünstreifen in der Mitte zur Betonpiste für die neue Bahn, eingefasst auf beiden Seiten von einem „Designerzaun“ mit einer, nach meiner Einschätzung, eher kurzen optischen Verfallszeit. Aber Zaun bleibt Zaun, 1,80 Meter hoch! Und dann taucht die Betonpiste am unteren Ende der Bahn in einem Graben ab, um dann in der neuen Station zu enden, die mit Verlaub etwas fremd und dicht an der Bundesstraße steht.

Am oberen Ende der Straße hebt sich dann die Bahntrasse langsam in einem kurvenförmigen Viadukt über das jetzige Straßenniveau, um dann im Bereich der jetzigen Talstation auf die bestehende Bahntrasse einzuschwenken. Dort entstünde, laut Aussage der Planer, dann eine „platzartige Unterführung“ für Fußgänger und Radfahrer, die sich sanft in den Berg schiebt. Auch mit guter räumlicher Vorstellungskraft kann man dieses beschriebene Bauwerk nur schwer erfassen! Die in der Präsentation gezeigte Perspektiv-Skizze könnte überall auf der Welt sein und zeigt in keinster Weise die Realität an dieser Stelle. Hier ist dringender Handlungsbedarf. Um verantwortungsvoll über diese Situation zu entscheiden, bedarf es genauerer und räumlich verständlicher Darstellungen in Form von Modellen oder fotorealistischen Darstellungen. Ohne dies wäre es geradezu fahrlässig, eine politische Entscheidung zu treffen.

Zur architektonischen Gestaltung der Bauwerke habe ich schon eine Meinung, aber meine kollegiale Haltung gegenüber meinen Schweizer Kollegen verbietet es mir, diese an dieser Stelle zu äußern. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass der Gestaltungsbeirat der Stadt dieses Projekt so einfach „durchwinken“ wird. Da sehe ich noch eine Menge Luft nach oben. Abschließend sei die Frage erlaubt, ob 200 Meter Fußweg mehr in der Freizeit, tatsächlich diesen finanziellen Aufwand und das katastrophale bauliche Ergebnis rechtfertigen? Wenn man am Karlsruher Hauptbahnhof aus der Straßenbahn steigt und in einen Zug einsteigen will, muss man weit mehr als 200 Meter zu Fuß zurücklegen – und das in 100-facher täglicher Frequenz. Wenn man das dann ins Verhältnis zu neun Monaten Betriebszeit pro Jahr der jetzigen Freizeitbahn am Turmberg setzt, tun sich doch Fragen der Angemessenheit und Sinnfälligkeit auf.

Prof. Gerd Gassmann – Freier Architekt BDA

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 05.02.21:

Das Vorhaben ist eine Schandtat der Planer

Zum Artikel „Turmbergbahn soll reizvoller werden“ vom 30. Januar:

Wenn man von der mangelnden Barrierefreiheit der alten Wagen absieht, kann man mitnichten davon sprechen, dass die geplanten neuen Wagen reizvoller wären als die alten. Ist doch der wichtigste Aspekt für den Reiz einer Fahrt mit der bisherigen Turmbergbahn der Blick über die Köpfe der anderen Fahrgäste hinweg. Erst hinunter auf das mittelalterliche Stadtbild von Durlach, dann auf Karlsruhe und schließlich auf die Rheinebene, die sich nach und nach vor den Augen der Fahrgäste ausbreitet. Dieses beeindruckende Panorama ist derzeit noch möglich durch die spezifische Gestaltung der alten, unverwechselbaren Bahn. Aber diesen Blick wird es nach der Verlängerung nicht mehr geben, wie auch, denn die neuen Wagen müssen wegen dieser geplanten Maßnahme ganz unterschiedliche Neigungswinkel am Berg ausgleichen können und wurden daher so konzipiert, dass sie sich immer automatisch in die Waagerechte begeben, auch, damit an allen Eingängen in die Waggons Barrierefreiheit möglich ist. Die durch eine viel zu aufwändige Sanierung erzielte Barrierefreiheit könnte auf ganz anderem Wege durch einen Shuttlebus garantiert und damit eine Verlängerung überflüssig werden.

Dass ein über ein Jahrhundert gewachsenes Viertel, welches sich zu den schönsten und attraktivsten der Stadt Karlsruhe zählen darf, durch diese Maßnahme in zwei Teile zerschnitten wird, ist die nächste Schandtat der Planer. Dabei wird auch nicht berücksichtigt, dass die zukünftige Bahn auf Ständern über dem Straßenniveau fahren wird, sodass die Mitfahrenden direkten Einblick in sämtliche an der Linie liegenden Häuser haben werden. Von ihnen stehen einige so nahe am Gleis, dass der Betrieb, gäbe es da nicht das Gewohnheitsrecht, womöglich gar nicht statthaft wäre. Auch sind viele Häuser erst nach Errichtung der Bahn hinzugekommen. Ein wunderschöner, das Stadtbild prägender Grünzug soll dabei dieser, für eine Strecke von 200 Metern lächerlich überdimensionierten Anlage zum Opfer fallen. 1,80 Meter hohe Zäune, deren mühsam beschönigende Gestaltung ihre Unansehnlichkeit keineswegs verbergen kann, sollen dem ästhetischen Desaster die Krone aufsetzen. Die hilflose Gestaltung als stählernes Strebengewirr will an die (zu opfernden) Magnolienbäume erinnern.

Eine Mittelstation der verlängerten Strecke auf Höhe der jetzigen Talstation wurde im Planungsprozess von Anfang an ausgeschlossen, wäre doch aber das schlagende Argument, um überhaupt davon sprechen zu können, dass es sich hier wirklich um einen Anschluss an den ÖPNV handelt, der steuerliche Fördermittel beanspruchen darf. Denn immerhin würde die Mittelstation den Anwohnern den täglichen Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz ermöglichen, sollten auch sie nicht mehr gut zu Fuß, aber gerne ohne Auto unterwegs sein wollen. Aber die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) argumentieren dagegen, die Fahrzeit würde sich durch eine Haltemöglichkeit (nur nach Bedarf) für alle auswärtigen Besucher zu sehr verlängern. Stattdessen mutet man den Anwohnern nun durch die zukünftige Verkehrsführung – wegen einer für Autos nicht mehr möglichen Querung der Bergbahnstraße infolge der Verlängerung – auch noch deutliche Umwege zu, die unsere tägliche Verkehrsbelastung nicht reduzieren, sondern erhöhen werden. Die Linie 29, die bisher alle, die nicht zu Fuß zur Talstation laufen wollten oder konnten, versorgt hat, wird entfallen. Gehbehinderte und ältere Anwohner werden wohl in Zukunft mit dem Auto zur Talstation fahren müssen.

Andrea Gerardi

 

Artikel in den „Badischen Neuesten Nachrichten“ vom 23.01.21: Neues Kapitel in langer Geschichte

„Der Himmel weinte Tränen, als die letzte offizielle Fahrt mit der 77-jährigen Wasserballast-Bergbahn vor sich ging“, heißt es über die Durlacher Turmbergbahn in einem Manuskript, das im BNN-Archiv aufbewahrt ist. Der Text hält Eindrücke von der „letzten Bergbahnfahrt“ am 7. November 1965 fest und dokumentiert, mit welchem Herzblut die Menschen an der Standseilbahn hingen. „Eisenbahn- und Nahverkehrsfreunde gaben dem Bähnle mit Blitzlichtkamera und viel Begeisterung das letzte Geleit“, schreibt der Chronist. Dass die Menschen sich fasziniert und angezogen fühlen, zieht sich durch die bald 133 Jahre alte Geschichte der kleinen, aber feinen Bergbahn. Den Anfang machen Durlacher Bürger, die 105.000 Goldmark als Anlagekapital aufbringen. Damit wird am 12. Mai 1887 die „Drahtseilbahn Durlach-Thurmberg AG“ gegründet. 315 Meter lang, mit Zahnstangensystem, zwei per Stahlseil miteinander verbundene Waggons und Wasserballast als Antriebs- oder Zugkraft,um 100 Höhenmeter zu überwinden: Das Konzept ist pfiffig, die Eckdaten stimmen bis heute. Die Original­waggons dienen unverändert bis 1965, lediglich 100 Meter Gleis werden 1958 erneuert. Nicht ein einziger Unfall trübt das Bild. Einmal reißt zwar tatsächlich ein Stahlseil, im Sommer 1917, doch die Notbremsen greifen tadellos. Als nach dem 75. Geburtstag eine Rundum-Erneuerung ansteht, ist der Abschied von den alten Wägelchen so für die Menschen schmerzlich. Ab 1967 ist die Freude an der aufgefrischten Turmbergbahn aber wieder groß wie eh und je. Jetzt steht erneut eine komplette Erneuerung bevor, und diesmal wird es ein größerer Schritt. Die Betriebserlaubnis für das Zwei-Waggon-Bähnchen erlischt Ende Oktober kommenden Jahres. Es ist die älteste noch betriebene Standseilbahn Deutschlands. Die neue Turmbergbahn, quasi Nummer drei, ist jetzt fix und fertig geplant. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) steuern den Abriss noch im Jahr 2022 und direkt daran anschließend den Neubau an. Wegen der Pandemie nur digital, informieren die Verkehrs­betriebe zum aktuellen Planungsstand angemeldete Anwohner und Interessierte am 28. Januar. Schon klar ist: Die neue Bergbahn wird erheblich länger. Ein- und Aussteigen können Fahrgäste künftig schon am Fuß der Hanglage, nahe der Endhaltestelle „Turmberg“ der Straßenbahn an der B3. Das schließt die touristische Bergbahn ans bestehende Nahverkehrsnetz an. Dadurch kann das Projekt auch öffentlich gefördert werden. Über 20 Millionen Euro kostet der Neubau nach aktueller Kalkulation, im April 2018 war noch von 14,7 Millionen Euro die Rede. Damals war eine ebenerdige Querung der Trasse bei der heutigen Talstation vorgesehen. Dort wird eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Das und Baukostensteigerungen treiben den Preis laut VBK nach oben. Der Neubau der Turmbergbahn soll stark durch Landesmittel finanziert werden, wohl durch mehrere Förderprogramme. Im Oktober 2020 rechneten die Verkehrsbetriebe sogar damit, maximal ein Viertel der Baukosten selbst zahlen zu müssen.Der Ortschaftsrat Durlach wollte eine Bedarfshaltestelle auf Höhe der heutigen Talstation. Dies hat der Gemeinderat aber mehrheitlich abgelehnt. Die Verkehrsbetriebe lehnen so eine zusätzliche Haltestelle ab, weil ein Stopp am Ort der jetzigen Talstation die Fahrtzeit von dreieinhalb Minuten quasi verdoppeln würde. Die Bahn brächte so pro Stunde nur 475 statt 840 Fahrgäste auf den Berg mit dem markanten Aussichts­turm.“

 

Artikel aus dem „Alpinforum“ zur Erweiterung der Turmbergbahn:
(Beitrag von Benutzer „Harzwinter“ vom 07.10.2020 – 13:22)

Da ich kein bestehendes Infrastruktur-Topic für die Karlsruher Standseilbahn auf den Turmberg finden konnte, eröffne ich für die Informationen zum bevorstehenden Neubau der Bahn ein neues.

Die Turmbergbahn fährt vom Karlsruher Stadtteil Durlach auf den 256 m hohen Turmberg und überwindet dabei 100 Höhenmeter. Sie wurde bereits 1888 erbaut und fuhr ursprünglich mit Wasserballast als Antrieb. 1945 wurden Kriegsschäden repariert, 1966 erfolgte ein Totalumbau von Trassierung und Bahn, die in diesem Rahmen auf Elektroantrieb umgestellt wurde. 2004 erhielt die Bahn ein neues Seil. Sie gehört den stadteigenen Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und befördert rund 100.000 Fahrgäste pro Jahr. Auf dem Berg befinden sich eine Aussichtsplattform, der historische Bergfried der ehemaligen Burg Hohenberg, zwei Restaurants mit Außenanlage, ein Waldseilgarten, das Gelände eines Schützenvereins und die Sportschule Schöneck.

Die mehrfach verlängerte Betriebserlaubnis für die alte Bahn läuft 2022 aus. Darum planen die Karlsruher Verkehrsbetriebe schon länger einen Totalneubau, für den zwei Jahre veranschlagt werden. Vergabekandidat für die Ausschreibung ist Garaventa. Im Rahmen des Neubaus soll die Bahn, die aktuell ein gutes Stück oberhalb der Durlacher Hauptdurchgangsstraße / B3 im Wohngebiet startet, um ca. die Hälfte ihrer aktuellen Länge nach unten bis zur Hauptstraße verlängert und so ans Straßenbahnnetz angebunden werden. Die bestehende Talstation würde dann zu einer Mittelstation mit Bedarfshalt umgebaut, was allerdings die Fahrzeit von 3,5 auf 7,5 Minuten verlängern und die Kapazität (bei gleicher Wagengröße) von 840 auf 475 Personen pro Stunde fast halbieren würde. Die aktuell baulich versteckte Seilbahntechnik würde von Garaventa beim Neubau teils sichtbar gemacht.

Wie das bei solchen Planungen nun mal so ist, sind die errechneten Baukosten seit 2018 von damals 14,7 Mio Euro mittlerweile auf 20,9 Mio Euro gestiegen, und typischwerweise steigen sie ja während der Bauzeit noch einmal. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe wollen die Pläne nur umsetzen, wenn das Land Baden-Württemberg mindestens die Hälfte der Baukosten übernimmt, und man sucht weitere Fördermöglichkeiten. Die Pläne sollen am 20. Oktober 2020 zunächst vom Karlsruher Gemeinderat genehmigt werden. Die enormen Baukosten werden mit einer erwarteten Erhöhung der Fahrgast­zahlen gerechtfertigt.

Meine Meinung:

Selbst als großer Seilbahnfreund empfinde ich die dargestellte Kosten-Nutzen-Relation für den Neubau der Turmbergbahn inkl. Verlängerung als unpassend, zumal die Stadt Karlsruhe parallel 1,5 Milliarden Euro in ihrer aus dem Ruder gelaufenen U-Bahn-Lösung versenkt. Die damals in ähnlicher Situation befindliche Wildbader Sommerbergbahn beispielsweise (mit jährlich bis zu 250.000 Fahrgästen) wurde 2010/11 von Garaventa für rund 7 Mio Euro erneuert. Ein ähnlicher Kostenrahmen wäre aus meiner (Steuerzahler-)Sicht auch für die Erneuerung der Turmbergbahn diskussionsfähig. Wenn die Verlängerung der Bahn zu teuer ist, bleibt die Talstation halt, wo sie ist – schließlich funktioniert dieses Konzept seit nunmehr 154 Jahren. Von den anderen beiden Dritteln der 21 Mio Euro ließen sich gesellschaftlich wichtigere Projekte wie die Unterstützung von Bildungs­einrichtungen oder Kitas oder der Bau eines Altenheims finanzieren.

Quelle: Alpinforum.com vom 07.10.2020



••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••

Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten vom 23.05.2018: